Chronische Kupferintoxikationen durch Trinkwasser

Eine Analyse der Toxikologie und Physiologie mit Bestimmung des Grenzwertes für chronische Kupferintoxikationen unter Berücksichtigung von speziellen Risikogruppen

Michael Otto


Kupfer ist der heute am meisten verwendete Werkstoff für Trinkwasserleitungen in Wohnhäusern. Nach eigenen Messungen und Literaturdaten werden aus diesen Leitungen relevante Kupfermengen freigesetzt. Die Kupferkonzentrationen liegen im Mittel zwischen 0,5 - 2 mg/l. Gelegentlich treten auch wesentlich höhere Konzentrationen auf (bis cirka 9,5 mg Cu/l).
Kupfer ist für den Menschen ein lebensnotwendiges Spurenelement. Der tägliche Bedarf wird normalerweise über die Nahrung gedeckt. Chronisch erhöhte Kupferaufnahme über das Trinkwasser ist eine Gefahr für die Gesundheit, speziell für Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Stoffwechselstörungen, wie Morbus Wilson, Glucose-6-phosphatdehydrogenase-Mangel und Primär biliäre Zirrhose.
Bereits bei einem Kupfergehalt des Trinkwassers von 2,2 - 3,5 mg/l wurden 1987 erstmals in Deutschland bei Säuglingen und Kleinkindern tödlich verlaufende Leberzirrhosen festgestellt. Das entspricht auch den Berichten aus Indien, wo die Erkrankung als Indian Childhood Cirrhosis schon lange bekannt ist und Kupfer als auslösende Ursache zweifelsfrei indentifiziert wurde.
In diesem Buch wird der Kupferstoffwechsel des Menschen mit möglichen Mangelerkrankungen, akuter und chronischer Intoxikation dargestellt.
Zur Vermeidung von Intoxikationen durch kupferhaltiges Trinkwasser spricht der Autor eine Empfehlung zur Senkung des Grenzwertes auf 0,5 mg Cu/l für Trinkwasser aus. Das bedeutet, daß für Risikogruppen, speziell für Säuglinge, das Wasser aus Kupferleitungen zum Trinken und zur Bereitung der Nahrung ungeeignet ist.

Michael Otto, geb. 1948 in Dresden, Studium der Pharmazie, 1975 Approbation als Apotheker; Studium der Medizin, 1981 Approbation als Arzt, 1993 Promotion an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Berufstätigkeit als Arzt an Krankenhäusern in Celle, Berlin und Bayreuth. Seit 1990 in eigener Praxis tätig mit Teilschwerpunkt in der Umweltmedizin.


Inhalt:

Einleitung
  1. Physikalische und chemische Eigenschaften von Kupfer
  2. Bestimmungen über die Grenzwerte von Kupfer im Trinkwasser
  3. Kupfer als Spurenelement
    1. Kupfer im Boden
    2. Kupfer im Wasser
    3. Kupfer in der Luft
    4. Kupfer in lebenden Organismen - Pflanzen - Tiere - Menschen
      1. Kupferhaltige Enzyme im menschlichen Organismus und deren Funktionen
  4. Kupferstoffwechsel beim Menschen
    1. Absorption
    2. Metabolismus in der Leber
    3. Exkretion
    4. Kupferbedarf
  5. Kupfer-Mangel
    1. Kupfer-Mangel bei Pflanzen und Tieren
    2. Kupfer-Mangel beim Menschen
      1. Menkes'sche Krankheit
      2. Kupfer-Mangel bei Erwachsenen
      3. Kupfer-Mangel bei Kindern
  6. Toxizität von Kupfer
    1. Kupfer Toxizität bei Pflanzen und Tieren
    2. Kupfer-Toxizität beim Menschen
      1. Akute Kupfer-Toxizität beim Menschen
        1. Orale Intoxikation
        2. Parenterale Kupferintoxikationen
        3. Metalldampffieber
        4. Glucose-6-phosphatdehydrogenase-Mangel
      2. Chronische Kupferintoxikationen
        1. Kupferspeicherkrankheit - Morbus Wilson
        2. Indian Childhood Cirrhosis
        3. Primär biliäre Zirrhose
        4. Weitere Lebererkrankungen
        5. Berufliche Exposition
        6. Trinkwasser- und Lebensmittelintoxikationen
  7. Weitere Besonderheiten des Kupferstoffwechsels des Menschen und die therapeutische Verwendung von Kupfer
    1. Entzündlich-degenerative rheumatische Erkrankungen
    2. Infektionskrankheiten
    3. Kupfer bei malignen Erkrankungen
    4. Ionisierende Strahlung
    5. Kupferintrauterinpessare zur Antikonzeption
  8. Analytik
    1. Die differentielle Pulsinversvoltammetrie
    2. Das Analysengerät
    3. Analysendurchführung
    4. Mögliche Fehler bei den Messungen
    5. Ergebnisse
  9. Kupferbelastungen des Menschen
    1. Trinkwasser
    2. Lebensmittel pflanzlicher Herkunft
    3. Lebensmittel tierischer Herkunft
    4. Die durchschnittliche Kupferaufnahme über die Nahrung ohne Berücksichtigung des Trinkwassers
  10. Diskussion
    1. Erwachsene
    2. Kinder
    3. Wilson'sche Erkrankung
    4. Glucose-6-phosphatdehydrogenase-Mangel
    5. Weitere Aspekte
  11. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis


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