Diversion: Selbsteinschätzung und Realität staatsanwaltlichen Entscheidens

Eine Befragung nordrhein-westfälischer Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälte

Libuda-Köster, Astrid


Diese rechtssoziologische Arbeit entstand eingebunden in das Teilprojekt C1 "Entscheidungsstrukturen im Kriminaljustizsystem" des Sonderforschungsbereichs 227 "Intervention und Prävention im Kindes- und Jugendalter" an der Universität Bielefeld. Datenbasis der empirischen Analyse sind eine standardisierte schriftliche Befragung von nordrhein-westfälischen Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälten sowie 10.491 Erhebungen von Verfahrensakten, bearbeitet durch jene befragten Staatsanwälte.
Anhand der in den Verfahrensakten erhobenen staatsanwaltlichen Entscheidungen konnte eine ungleiche Praxis der Rechtsanwendung nachgewiesen werden. So wurde der empirische Nachweis geführt, daß es auf seiten der Rechtsanwender Bedingungen geben muß, welche die Bereitschaft zu informalisierenden Einstellungen des Verfahrens gemäß § 45 JGG beeinflussen. Welche Einflüsse bedingen die ungleiche Rechtsanwendung der Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälte? Die Erklärung wird in verschiedenen, zusammenwirkenden Einflußdimensionen gesucht: In normativen Orientierungen, den unterschiedlichen Interpretationen des offiziellen Normprogramms, in Bürokratie-, Organisations- und Umweltbedingungen, in normübergreifenden Überzeugungen/Attitüden und in der Berufssozialisation der Rechtsanwender.
Rechtsanwendungsungleichheit wird primär von Orientierungen beeinflußt, die von individuellen, normativen Interpretationen und lokalbürokratischen Rahmenbedingungen abhängig sind. Im Ergebnis läßt sich aufgrund dieser Analysen eine Ausformung exekutivistischen Rechts feststellen, das unter Verzicht auf zentrale Steuerungsinstrumente pragmatische Ausformungen erfährt, die Produkt zufallsbedingter bürokratischer Rahmenbedingungen sind, ohne daß eine verbindliche normgebende Vereinheitlichung absehbar ist.

Astrid Libuda-Köster 1960 geboren, studierte in Lissabon und Bielefeld und schloß ihr Studium 1986 mit einer Arbeit über die "Auswirkungen der Altstadterneuerung auf die Lebenssituation städtischer Armer in Salvador/Bahia/Brasilien" als Diplom-Soziologin an der Universität Bielefeld ab. Seither arbeitet sie im Sonderforschungsbereich "Intervention und Prävention im Kindes- und Jugendalter" SFB 227, im Teilprojekt "Entscheidungsstrukturen im Kriminaljustizsystem" an der Universität Bielefeld, wo die vorliegende Arbeit entstand.
Neben ihrem Interesse für Kriminologie arbeitet Astrid Libuda-Köster zu Themen der Entwicklungsländerproblematik, des Feminismus und der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre.


Inhalt:

  1. Fragestellungen, Methoden und Gang der Darstellung
    1. Forschungsfragestellungen
      1. Einflußfaktoren staatsanwaltlichen Handelns
      2. Bedeutung der Handlungsbedingungen für die staatsanwaltliche Entscheidung
      3. Analyse ungleicher Rechtsanwendung bei parallelisierter Einzelfallgestaltung
      4. Kriminalpolitischer Ertrag
    2. Methoden
    3. Gang der Darstellung
      1. Operationalisierung der abhängigen Variablen (Zielvariablen)
      2. Schlußfolgerungen für den Gang der Darstellung
  2. Determinanten staatsanwaltlichen Entscheidens im Rahmen allgemeiner Diversionsorientierung
    1. Normative Orientierungen
      1. Beschreibung der Anwedungspraxis von Diversion
        1. Allgemeine Anwendungskriterien für § 45 Abs. 2 JGG
        2. Non-Interventionsvariante: § 45 Abs. 2 Nr. 2 JGG
        3. Interventionsvariante: § 45 Abs. 2 Nr. 1 JGG
        4. Interventionsdiversion unter Beteiligung des Jugendrichters: § 45 Abs. 1 JGG
        5. Vereinfachtes Jugendverfahren: § 76 JGG
        6. Strafverfahren gegen Heranwachsende: § 109 Abs. 1 HGG
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen normativen Orientierungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
        1. Bedeutung normativer Formalkriterien
        2. Bedeutung staatsanwaltlicher Interventionskonzepte
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen normativen Orientierungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
        1. Methodische Vorgehensweise
        2. Ergebnisse und Schlußfolgerungen aus der multivariaten Analyse
    2. Bürokratiespezifische Tätigkeitsmerkmale
      1. Deskription von Arbeitsbelastung und Tätigkeitskontrolle
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen Bürokratiemerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen Bürokratiemerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
    3. Organisationsbedingungen
      1. Vereinheitlichungsansätze in der Diversionspraxis
        1. Verfügungen, Vorgesetzten-Empfehlungen und informelle Absprachen
        2. Kriterien der Vereinheitlichung
        3. Die Bewertung der Vereinheitlichungsansätze durch die Staatsanwälte
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen Organisationsbedingungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen Organisationsbedingungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft: Ergebnisse und Schlußfolgerungen
    4. Umweltbeziehungen
      1. Öffentliche Meinung und Verfahrensbeteiligte aus der Sicht der Staatsanwälte
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen Umweltbeziehungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen Umweltbeziehungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft: Ergebnisse und Schlußfolgerungen
    5. Staatsanwaltliche Überzeugungen
      1. Deskription staatsanwaltlicher Überzeugungen
        1. Wahrnehmung und Bewertung von Jungendkriminalität
        2. Strategien der Kriminalitätskontrolle und Strafzwecke
        3. Legitimierung staatsanwaltlicher Einstellungskompetenz
        4. Bewertung alternativer Erledigungsvarianten und Zufriedenheit mit der eigenen Verfahrenspraxis
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen staatsanwaltlichen Überzeugungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen staatsanwaltlichen Überzeugungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
        1. Ergebnisse der multivariaten Analyse
        2. Schlußfolgerungen
    6. Berufs- und Sozialmerkmale
      1. Beschreibung der Befragtenstichprobe
      2. Bivariate Zusammenhänge zwischen Berufs- /Sozialmerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
      3. Multivariate Zusammenhänge zwischen Berufs- /Sozialmerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
    7. Multivariate Analyse aller Einflußfaktoren
      1. Ergebnisse
      2. Schlußfolgerungen
  3. Determinanten staatsanwaltlichen Entscheidens im Rahmen deliktsspezifischer Diversion (parallelisierter Ladendiebstahl)
    1. Ungleichheit der Rechtsanwendung
      1. Kriterien der Bildung parallelisierter Ladendiebstahlsdelikte
      2. Zur Rechtsanwendungsungleichheit bei parallelisierten Fallgestaltungen
    2. Multivariate Analyse der einzelnen Einflußdimensionen
      1. Normative Orientierungen
      2. Bürokratiespezifische Tätigkeitsmerkmale
      3. Organisationsbedingungen
      4. Umweltbeziehungen
      5. Staatsanwaltliche Überzeugungen
      6. Berufs- und Sozialmerkmale
    3. Multivariate Analyse aller Einflußfaktoren (Gesamtmodell)
  4. Staatsanwaltsbefragungsbogen
  5. Tabellenanhang
  6. Literaturverzeichnis



home - Zur Startseite des VWB - Verlag Wissenschaft und Bildung


Hiermit bestelle ich / I like to order:
Stück/copy "Diversion: Selbsteinschätzung und Realität staatsanwaltlichen Entscheidens"

Meine EMail:

Meine Adresse / My address:

Zahlungsart/Method of payment:

per Kreditcarte (Visa Card only)

Rechnung (im Ausland Vorausrechnung)/Payment in Advance

BITTE SENDEN SIE UNS NACHFOLGENDE DATEN AUS SICHERHEITSGRÜNDEN NUR PER POST ODER FAX:
PLEASE SEND THE FOLLOWING ITEMS ONLY BY POST OR FAX:
Fax No: +49-[0]30-251 11 36
Kreditkartennummer/Card Number
Gültig bis/Valid until: - Kreditkartenprüfnummer/Card Verification Code/Value:

Einzugsermächtigung (nur Inland)
Kontonummer Bankleitzahl
Name des Kontoinhabers

Datum + Unterschrift / Date + Signature:


Was Sie uns sonst noch sagen wollten: