Afghanistan

Sozialer Wandel und Staat im 20. Jahrhundert

Grevemeyer, Jan-Heeren

Nachdruck der Ausgabe Berlin 1987.


Die Befassung mit Afghanistan war bis 1978 weltweit ein Thema für einen kleinen Kreis von Fachleuten. Größeres öffentliches Interesse erregte das Land erst nach der Machtübernahme durch die kommunistische Khalq-Parcham-Partei im April 1978, bzw. nach der sowjetischen Invasion im Dezember 1979 und dem darauf folgenden landesweiten Guerrillakrieg.
Die vorliegende Arbeit ist eine politische und Sozialgeschichte des Landes aus der Perspektive des Gegensatzes von Zentralstaatsbildung und gesellschaftlicher Segmentation sowie der zentralstaatlichen Modernisierungspolitik und den durch sie ausgelösten Widerständen. Ein solcher analytischer Rückblick ist gerade durch die aktuelle Entwicklung gefordert: Denn er legt Elemente der traditionalen afghanischen Gesellschaft frei, die keineswegs nur das Interesse von Historikern beanspruchen können, da sie im Widerstand gegen das Kabuler Regime und die sowjetische Besatzung wieder geschichtsmächtig geworden sind - die Tradition segmentärer Kräfte, die Autonomie ländlicher Kollektive, Patron-Klientel-Verhältnisse.

Jan-Heeren Grevemeyer ist Jahrgang 1940. Nach Abschluß der Schule 1960 verdiente er seinen Lebensunterhalt in den verschiedensten Berufen und lebte für fast zehn Jahre unter anderem in Schweden, Frankreich, Spanien, Bulgarien, dem Iran, Afghanistan, Indien und Nepal. Das Interesse an einer Systematisierung seiner Erfahrungen ließ ihn 1973 das Studium der Geschichte und Iranistik an der Freien Universität Berlin aufnehmen. Nach Abschluß seines Studiums 1977 spezialisierte er sich auf die Geschichte und Gesellschaft Afghanistans. Er arbeitete seitdem in mehreren Forschungsprojekten. 1982 promovierte er an der FU Berlin mit einer Geschichte der zentralasiatischen Provinz Badakhshan. Die vorliegende Arbeit wurde als Beitrag zu seiner Habilitation eingereicht.


Inhalt:

Übersicht

I.1 Geschichte Afghanistans 1709-1919

  1. Reichsbildung und Zerfall: Von den Hotaken bis zur Blendung Zaman Shahs (1709-1800)
  2. "Anarchie" und koloniale Intervention
  3. Krieg und Koalition
  4. Zentralisierung und feste Grenzen: ‘Abdorrahmans interner Imperialismus
  5. Vom Reich zum Staat: Das Beispiel Afghan-Turkestan
  6. Zentralisierung und Segmentation: ‘Abdorrahmans Reformen und Eshaq Khans Widerstand
I.2 Afghanistan im 20. Jahrhundert
  1. Das Agrarland Afghanistan
  2. Bauerngesellschaft und Staat
    1. Die Mittelsmänner
    2. Verschuldung und Pacht
    3. Regionale Bürokratie
  3. Die staatliche Agrarpolitik
    1. Amanollahs Reformen des ländlichen Afghanistan
    2. Wirtschaftlicher Fortschritt ohne innenpolitische Störung: Agrarpolitik 1929-1953
    3. "Einer unserer größten Fehler: Das Morphium ausländischer Anleihen genommen zu haben" - Agrarpolitik 1953-1978:
      1. Das Expertenwesen und die Auslandsverschuldung
      2. Großprojekte und die Vernachlässigung bevölkerungsbezogener Kleinprojekte:
      - Agrarkredite
      - Dorfentwicklungsprogramm und Kooperativen
      3. Die mißlungene Landreform
    4. Die Abschaffung "feudaler und vor-feudaler Verhältnisse": Landreform und begleitende Maßnahmen (1978-1979)
  4. Gesellschaftlicher Wandel und Widerstand
    1. Die Modernisierung des Widerstandes
    2. Bilanz und Perspektiven
II. Politische Kultur: Tradition und Modernisierung im 20. Jahrhundert
  1. Afghanische Historiographie: Die neue Sicht der Tradition
    1. Von der Freiheitsbewegung der Hotaken zum Großreich Afghanistan
    2. Das Zeitalter der kolonialen Intervention
  2. Regierung und Volk - Recht und Verwaltung 1880-1980
    1. Vom despotischen Staat zum aufgeklärten Absolutismus - Die Anfänge des modernen Zentralstaats 1880-1919
    2. Rechtliche Ordnung des Staates
      1. Amanollahs Codex Juris
        Die Kodifizierung des Rechts
        Re- und Neuorganisation des Justizapparates
        Ausbildung
        Das neue Verständnis von Recht und Gerechtigkeit
      2. Reaktion und Ausbau - Rechts- und Justizreformen 1929-1963/64
    3. Rechtsreformen und die Einführung "Sozialer Gerechtigkeit"
      1. Demokratie von oben - Rechtspolitik 1963-1973
      2. Republik und Einmannherrschaft - Rechtspolitik 1973-1978
      3. Herrschaft der Partei - Rechtspolitik 1978-1979
    4. Volk und Herrschaft: Die Legitimation der Regierungen seit Amanollah
    5. Freiheiten und Rechte afghanischer Bürger nach den Verfassungen
    6. Die höchsten Regierungs- und Staatsinstitutionen
    7. Die Zentralverwaltung
    8. Die Provinzverwaltung
    9. Die Stadtverwaltung
    10. Die Beamten
  3. Tradition und Emanzipation: Die Frau in der afghanischen Gesellschaft
    1. Die Stellung der Frau und Versuche ihrer Veränderung
    2. Die Heiratsgesetzgebung
  4. Ausbildung und Aufklärung: Zur Diffusion von Reformen
    1. Die Anfänge des Druck- und Pressewesens
    2. Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen des Druck- und Pressewesens:
      Rechtliche Rahmenbedingungen
      Institutionelle Rahmenbedingungen
    3. Das Druckwesen
    4. Die Buchproduktion: Sammlung - Qualitiät - Auflage -Vertrieb
    5. Zeitungen und Zeitschriften
    6. Radio, Fernsehen, Film, Theater
    7. Schule und Ausbildung
      1. Die Entstehung des staatlichen Ausbildungssystems
      2. Die langfristige Entwicklungsplanung (1956/57-1979)
      3. Die Schulbuchpublikation
III. English Summary
IV. Anmerkungen
V. Literatur
VI. Index

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