Mobilisierung und Organisation von Kleinbauern und Landarbeitern im ländlichen Bangladesch

Bedeutung und Perspektiven einer von Nicht-Regierungs-Organisationen verfolgten Entwicklungsstrategie

Nebelung, Michael


So sprichwörtlich einst der Reichtum des "Goldenen Bengalen", so sprichwörtlich ist heute seine Armut: "Armenhaus der Welt". Heute taucht der Name in den westlichen Medien nur dann auf, wenn es gilt, von Hunger, Naturkatastrophen, politischen Unruhen und Überbevölkerung zu berichten. Bangladesh hat man längst in die Kategorie des Dauerpatienten eingeordnet, der am Tropf ausländischer Entwicklungsinfusionen dennoch einen langsamen Tod stirbt.
Ein Rikshaw-Fahrer aus der Hauptstadt Dhaka beschreibt die Ursachen der Unterentwicklung zum "Armenhaus" weit präziser, als dies die ewigen Hinweise auf die Urgewalt der Natur, das ungezügelte Wachstum der Bevölkerung, fehlende natürliche Ressourcen oder gar die "Passivität" der Menschen vermögen: "Zuerst plünderten uns die Briten aus, dann die Pakistanis. Heute werden wir von den eigenen Landsleuten beraubt." Es geht im vorliegenden Buch deshalb auch darum, wie sich Bauern und Landarbeiter gegen diese Ausbeutung und Bevormundung wehren.
Die "Mobilsierung und Organisation" von Kleinbauern und Landarbeitern im ländlichen Raum wird als entwicklungspolitische Strategie der "Entwicklung von unten" seit einigen Jahren im Kreis der "Entwicklungspraktiker" diskutiert. Man denke hier an die Debatte um die "Entstaatlichung" von Entwicklungspolitik. Während man in den Industrieländern vorwiegend um entwicklungspolitische Wahrheiten streitet und sich auf der Suche nach dem Heilsrezept zur Ausrottung des Elends in allerlei theoretischen und praktischen Fallstricken verheddert, haben viele Menschen in Bangladesh schon längst angefangen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs), stellen Landarbeiter und Kleinbauern in den Mittelpunkt aller Bemühungen um Entwicklung. Diesem Bemühen Öffentlichkeit zu verleihen, ist ein wichtiges Anliegen dieses Buches.


Inhalt:

Vorwort
  1. Einleitung und Überblick
  2. Theoretische Grundlagen: Mobilisierung und soziale Bewegung
    1. Vorbemerkung
    2. Zur Geschichte des Konzeptes der sozialen Bewegung
    3. Bauernbewegung als soziale Bewegung?
    4. Theorien der Mobilisierung
    5. Organisation
    6. Dynamik und Prozess der Mobilisierung
    7. Mobilisierung und Bewußtseinsbildung
  3. Sozialwissenschaftliche Untersuchung in einer Agrargesellschaft: Selbstverständnis als Forscher und methodisches Vorgehen
    1. Das Anliegen
    2. Planung und Realität; Mythos und Rationalität
    3. Die Relativität der Verfahren empirischer Sozialforschung
    4. Annäherungen: Sprache, Übersetzung und Vermittlung
    5. Kontaktaufnahme und Eingangsinterviews; Erhebungsgebiet und Repräsentativität der Ergebnisse
    6. Geographische Auswahlkriterien
    7. Kriterien der Organisationsauswahl
    8. Auswahl des Untersuchungsgebietes
    9. Externe Forschungsfaktoren
    10. Erhebungssituation und Ergebnisverfälschende Faktoren: Der "Rapport" 62
    11. Präsenz und Privatheit
    12. Teilnehmen versus beobachten?
    13. Interviews: Erhebung vor Ort und Auswahl der Interviewpartner
    14. Erhebungssituation; Einzel- versus Gruppeninterviews
    15. Mobilisierung, Bewußtsein und Klasse: Probleme der Definition
    16. Verlässlichkeit der Daten
  4. Horizontale und vertikale Bindungen im ländlichen Bangladesh: Aspekte der Agrar- und Machtstruktur
    1. Vorbemerkung
      1. Debatten und Klassifikationen
      2. Begriffe und Definitionen
    2. Annäherung: Grenzziehung
    3. Elemente der ländlichen Agrarstruktur
      1. Land: Grundlegendes
      2. Land und Landbesitz: Das Ende der Subsistenz
      3. Produktionsbeziehungen
        Teilpacht ("sharecropping"); Lohnarbeit
      4. Verwendung des Mehrwertes
    4. Agrarstruktur und Produktionsweise
    5. Vertikale Bindungen und politische Macht
    6. ‘Klasse’ und ‘Faction’: Die Landlosen
  5. Die Rolle der Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs) für die Entwicklung in Bangladesh
    1. Voraussetzungen der Entstehung von NROs
    2. Ländliche Entwicklung: "Comilla" und die Folgen
    3. NROs im Kontext der Entwicklung Bangladeshs
      1. Labels und Definitionen
      2. Finanzierung und Auslandsabhängigkeit
      3. Zielgruppe, Zielvorstellungen und Methoden: Versuch einer typologisierenden Einordnung
      4. Politikverständnis: Verhältnis zu politischen Parteien und Gewerkschaften
      5. Entwicklungsverständnis: Verhältnis zu Staat und ausländischen Organisationen
    4. Nijera Kori: ‘Mobilisierung’ plus ‘Organisation’
      1. Hintergrund
      2. Ziele
      3. Struktur
      4. Programme
    5. Proshika: ‘Mobilisierung’, ‘Organisation’ plus Kredit:
      1. Hintergrund
      2. Ziele
      3. Struktur
      4. Programme
  6. Nijera Kori in Noakhali: "Der Bewußtseinsbildung-Ansatz"
    1. Einführung: Die Region und das Dorf
      1. Geographische, physikalische und demographische Charakteristika: Geographische Lage, Boden und Landschaft, Infrastruktur, Märkte und "Hats", Bevölkerung, Bildung, Religion, Gesundheitliche Versorgung und Familienplanung, Kultur
      2. Historische Aspekte: Der Prozeß der Besiedlung
      3. Sozio-ökonomische Charakteristika im Überblick: Einkommensquellen, Arbeitslosigkeit, Produktionsmittel, Produktionsstruktur, Vermarktung und Besitzstruktur, Kreditwesen und Wucher, Kooperativen und Entwicklungsprojekte
    2. Nijera Kori im Untersuchungsgebiet
      1. Die Anfänge der Arbeit von Nijera Kori in Noakhali im Rahmen des Land Reclamation Project (LRP)
      2. Nijera Koris Organisation vor Ort: Aufbau, Formales und die Auswahl der Fieldworker
      3. Theoretische Positionen: Zielgruppe: Landlose, Zielvorstellungen: Perspektiven, Rolle der Fieldworker und Arbeitsmethoden
      4. Definitionen und Begriffe: Mobilisierung, Gruppe versus Kooperative, Einheit der Gruppe, Rolle der Religion, Politisches Bewußtsein, Ernährung und Landverteilung, Beziehung zur CPB (Communist Party), Beziehung Landlord - Landarbeiter, Rolle von Krediten, Bauernbewegung, Familienplanung
      5. Die praktische Arbeit der Fieldworker
    3. Aktivitäten der Gruppen im Untersuchungsgebiet
      1. Vorbemerkung
      2. Charakteristika der Gruppenstruktur und der Gruppenbildung: Mitgliedsstruktur der Gruppen, Besitzverhältnisse der Mitglieder, Individuelle Besiedlungsgeschichte der Mitglieder, Produktion, Verschuldungssitutation der Mitglieder, Kauf und Verkauf der Arbeitskraft
      3. Projektimmanente Aktivitäten der Gruppen
      4. Ökonomische Aktivitäten der Gruppen: Projekttypen, Finanzielle Transaktionen
      5. Soziale Aktivitäten der Gruppen
      6. Politische Aktivitäten der Gruppen
      7. Soziale Aktion
      8. Die Ebene der ‘Beobachtung’: Besitzstruktur, Lohnarbeit, Zeitpacht, Geldverleih und Verschuldung, Beschäftigung, Soziale Machtstellung im Dorf, Kollektive Denk- und Arbeitsweise
      9. Die Ebene der Selbsteinschätzung der Gruppen: Arbeitsbedingungen, Verschuldung, Landwirtschaftliche Produktion, Bildung, Beziehung zum Landlord, Person und Arbeit des Fieldworkers, Gründe für den Beitritt: Erwartungshaltungen, Veränderungen im persönlichen Leben, Soziale Machtstellung: Selbsteinschätzung, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, Der partizipatorische Prozeß, Reaktionen der Elite, Kollektiver versus individueller Landbesitz, Gemeinsamkeiten mit anderen Landlosen, Training bei Nijera Kori, Pläne für die Zukunft
      10. Die ‘politische’ Ebene und die Einstellung der Elite
      11. Die ‘kulturelle’ Ebene
      12. Die Einstellung der landlosen Nicht-Mitglieder
      13. Die Einstellung der nicht-landlosen Nicht-Mitglieder
        Statt einer Zusammenfassung und Schlußfolgerung: Die Landlosen haben das Wort. Ein Interview
  7. Proshika in Bogra: "Der Bewußtseinsbildungs-Cum-Kredit-Ansatz"
    1. Einführung: Die Region und das Untersuchungsgebiet
      1. Geographische, physikalische und demographische Charakteristika: Geographische und klimatische Voraussetzungen, Boden und Landschaft, Infrastruktur, Märkte und "Hats", Bevölkerung, Bildung, Religion, Gesundheitliche Versorgung
      2. Sozio-ökonomische Charakteristika: Einkommensquellen, Beschäftigung und Produktionsmittel, Produktionsstruktur und Vermarktung, Kreditwesen und Wucher, Kooperativen und Entwicklungsprojekte
    2. Proshika im Untersuchungsgebiet
      1. Die Anfänge der Arbeit von Proshika in Bogra
      2. Proshikas Organisation vor Ort: Aufbau, Formales und die Auswahl der Fieldworker
      3. Theoretische Positionen: Zielgruppe: Landlose und marginale Bauern, Zielvorstellungen: Perspektiven, Rolle der Fieldworker und Arbeitsmethode
      4. Definitionen und Begriffe: Mobilisierung, Einheit der Gruppe, Rolle der Religion; Politisches Bewußtsein, Ernährung und Landverteilung, Rolle von Krediten
      5. Ein Spezifikum des Proshika-Ansatzes in der Praxis: "Popular Theatre"
      6. Die praktische Arbeit der Fieldworker: Der Arbeits- und Tagesablauf
    3. Die Landlosen-Gruppen im Untersuchungsgebiet
      1. Vorbemerkung
      2. Charakteristika der Gruppenstruktur und der Gruppenbildung: Mitgliedsstruktur der Gruppen, Besitzverhältnisse der Mitglieder, Produktion, Verschuldungssituation der Mitglieder, Kauf und Verkauf der Arbeitskraft
      3. Projektimmanente Aktivitäten der Gruppen
      4. Ökonomische Aktivitäten der Gruppen
      5. Soziale Aktivitäten der Gruppen
      6. Politische Aktivitäten der Gruppen
      7. Soziale Aktion
      8. Die Ebene der ‘Beobachtung’: Besitzstruktur, Lohnarbeit, Teilpacht, Geldverleih und Verschuldung, Beschäftigung, Soziale Machtstellung im Dorf, Kollektive Denk- und Arbeitsweise
      9. Die Ebene der ‘Selbsteinschätzung’ der Gruppen: Arbeitsbedingungen, Verschuldung, Landwirtschaftliche Produktion, Bildung, Beziehung zum Landlord, Person und Arbeit des Fieldworkers, Gründe für den Beitritt: Erwartungshaltungen, Veränderungen im persönlichen Leben, Soziale Machtstellung: Selbsteinschätzung, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, Der partizipatorische Prozeß, Reaktionen der Elite, Kollektiver versus individueller Landbesitz, Training bei Proshika, Pläne für die Zukunft
      10. Die ‘politische‘ Ebene
      11. Die ‘kulturelle’ Ebene
      12. Die Einstellung der landlosen Nicht-Mitglieder
      13. Die Einstellung der nicht-landlosen Nicht-Mitglieder
        Statt einer Zusammenfassung und Schlußfolgerung: Die Landlosen haben das Wort. Ein Interview
  8. Veränderungs- und Entwicklungspotential durch den NRO-Prozess der Mobilisierung und Organisation
    1. Veränderungen auf der ‘Ebene der Beobachtung’
      1. Besitzstruktur
      2. Lohnarbeit
      3. Teilpacht
      4. Geldverleih und Verschuldung
      5. Beschäftigung
      6. Soziale Machtstellung
      7. Kollektive Denk- und Arbeitsweise
    2. Veränderungen auf der ‘Ebene der Selbsteinschätzung’
      1. Arbeitsbedingungen, Verschuldung, Produktion und Bildung
      2. Selbst-Perzeption und Beziehung zum Landlord
      3. Gründe für den Beitritt: Erwartungshaltungen
      4. Veränderungen im persönlichen Leben
      5. Soziale Machtstellung: Selbsteinschätzung
      6. Selbstbestimmung und Unabhängigkeit
      7. Der partizipatorische Prozeß
      8. Reaktionen der Elite
      9. Kollektiver und individueller Landbesitz
      10. Gemeinsamkeiten mit anderen Landlosen
      11. Trainingsprogramme
      12. Pläne für die Zukunft
    3. Veränderungen auf der ‘politischen’ Ebene
    4. Veränderungen auf der ‘kulturellen’ Ebene
    5. Charakteristika der Gruppen und ihrer Aktivitäten
      1. Besitzverhältnisse und interne Struktur
      2. Aktivitäten der Gruppen
    6. Der Fieldworker: Patronage im Übergang?
    7. Gruppen-externe Standpunkte
    8. Veränderungs- und Entwicklungspotential
  9. Ausblick. NROs: Ein Modell selbstbestimmter Entwicklung?
    1. Mobilisierung versus Kredit
    2. Selbst-Bestimmung versus Abhängigkeit
    3. Schichtenspezifische Organisation versus schichtenübergreifende Organisation
    4. Widerstand versus Unterordnung
    5. Mikro-Ebene versus Makro-Ebene
    6. Erste Generation - versus zweite Generation der Fieldworker
    7. Kollektive Solidarität versus individuelles Unternehmertum
    8. Demokratie versus Hierarchie
    9. Partizipation versus Apathie
    10. Zur Reichweite des Ansatzes. Ein Modell?
Literaturverzeichnis


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